Allgemeine psychotherapeutische Wirkfaktoren

Die tiefenpsychologisch fundierte und die analytische Psychotherapie sind gemeinsam mit der Verhaltenstherapie Behandlungsformen, deren Wirksamkeit in zahlreichen Studien nachgewiesen wurde und die deshalb als sogenannte Richtlinien-Verfahren von den Gesetzlichen Krankenkassen finanziert werden.

Im Rahmen seiner großen Meta-Analysen hat der Psychotherapieforscher Klaus Grawe (2005) fünf therapieübergreifende Wirkprinzipien für Psychotherapien benannt: Problemaktualisierung, Ressourcenaktivierung, aktive Hilfe zur Problembewältigung, motivationale Klärung und therapeutische Beziehung. Ich werde Ihnen in den folgenden Abschnitten beschreiben, wie ich diese Prinzipien in meinem therapeutischen Angebot umsetze.

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie Diese Therapie findet einmal in der Woche im Sitzen statt, von den Gesetzlichen Krankenkassen finanziert als Kurzzeittherapie (maximal 25 Stunden) oder Langzeittherapie (60-100 Stunden im Regelfall).

Vor dem Behandlungsbeginn wird es zunächst einige Probesitzungen geben, in denen wir uns gegenseitig kennen lernen. Sie werden dabei einen Eindruck von mir und meiner Arbeitsweise bekommen; ich werde mir von Ihnen beschreiben lassen, wofür Sie therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen wollen (Problemaktualisierung), was Sie bisher geleistet haben - und weiterhin leisten, um Ihre Schwierigkeiten zu meistern (Ressourcenaktivierung). Das Verstehen Ihrer aktuellen Probleme und Ressourcen ist die Basis für die Therapie-Indikation (Auswahl der Therapieform) und gegebenenfalls auch für meinen Bericht an die Krankenkasse, der nach den probatorischen Sitzungen gemeinsam mit Ihrem Antrag auf Kostenerstattung eingereicht wird.
Sollten wir uns nach den Probestunden für die gemeinsame therapeutische Arbeit entscheiden (und nachdem Ihr Antrag bei der Krankenkasse bewilligt wurde), können wir mit der Therapie beginnen. Tiefenpsychologische oder psychodynamische Theorien (also auch die der Psychoanalyse) gehen davon aus, dass sich in allen Gefühlen, Gedanken und menschlichen Beziehungen alte, verinnerlichte und teilweise „unbewusste“ Wünsche und Ängste wiederfinden und weitergeführt werden. Diese Wiederbelebung ermöglicht es uns, Beziehungen zu wählen und zu gestalten und unser Leben als sinnvoll und zusammenhängend zu verstehen. Manchmal führt sie aber auch zu Konflikten, mit uns selbst ebenso wie mit anderen Menschen. Diese Konflikte können sich so verfestigen, dass seelische Symptome und Krankheiten entstehen.
In der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie wird es darum gehen, ein Verständnis für Ihre aktuellen Probleme und die dahinter liegenden inneren und teilweise noch nicht bewussten Konflikte zu bekommen (motivationale Klärung). Gleichzeitig erhalten Sie von mir aber auch Impulse, die inneren und äußeren Konflikte zu ändern (aktive Hilfe zur Problembewältigung). Diese aktive Hilfe ist im allgemeinen nicht so direktiv wie in der Verhaltenstherapie, es gibt zum Beispiel keine standardisierten Übungen oder Verhaltensanleitungen. Dennoch ist auch die tiefenpsychologische Behandlung nicht wirksam ohne therapeutische Aktivierung (als Anteilnahme, Ermutigung oder auch Konfrontation) und ohne Ihre Fähigkeit und Bereitschaft zur Veränderung.
Der letzte Wirkfaktor, die therapeutische Beziehung, spielt in den psychodynamischen Therapien - in der Tiefenpsychologie und vor allem in der Psychoanalyse - eine doppelte Bedeutung. Therapeut/innen, die eine positive Veränderung in Gang bringen, sollten unabhängig von der methodischen Ausrichtung als Menschen wahrgenommen werden, die sich einfühlen können, sich Zeit nehmen und professionelle und individuell angemessene Hilfe anbieten. Manchmal entstehen in einer therapeutischen Beziehung aber ähnliche Schwierigkeiten wie in anderen Beziehungen auch. Dies ist in den tiefenpsychologischen Verfahren kein Störfall, den es zu vermeiden und schnell zu beseitigen gilt, sondern kann eine Chance sein, bestimmte Schwierigkeiten gemeinsam zu erleben und zu verstehen.

Die analytische Psychotherapie

 

Die Psychoanalyse ist darauf ausgerichtet, die aktuellen Probleme als Teil der Gesamtpersönlichkeit zu verstehen und eine tiefgreifende Änderung zu ermöglichen. Bei der Indikationsprüfung zur Psychoanalyse muss geklärt werden, ob dies Ihr Anliegen ist, zum Beispiel, wenn sich bestimmte Schwierigkeiten in Ihrem Leben immer wieder zeigen und Sie sich deshalb im Selbsterleben, in Zielen und Wünschen, Arbeit und Ausbildung, Partnerschaft und Familie anhaltend und zunehmend beeinträchtigt fühlen.

 

Psychoanalytische Behandlungen sind im allgemeinen länger als andere Therapien (Finanzierung durch die Gesetzlichen Krankenkassen im Regelfall 160-240 Stunden), sie erfordern deshalb eine gemeinsame, verlässliche Verpflichtung für einen längeren Zeitraum.

Die Psychoanalyse und die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie haben Gemeinsamkeiten im theoretischen Grundverständnis seelischer Vorgänge. In der Behandlungspraxis unterscheiden sie sich allerdings stark.

 

Die Psychoanalyse findet in den meisten Fällen im Liegen auf einer Couch statt, dreimal wöchentlich (mit personenbezogenen Änderungen). Als Analytikerin sitze ich im allgemeinen hinter der Couch, sodass Sie mich nicht sehen. Ich werde Sie auffordern, spontan mitzuteilen, was Ihnen durch den Kopf geht: Alltägliches ebenso wie Erinnerungen, Träume oder spontane Einfälle. Ihre Gedanken und Gefühle werden dabei manchmal wirr, sinnlos, peinlich oder widersprüchlich erscheinen. Es wird neben den Dialogen längere Monolog-artige Erzählungen von Ihnen geben, Erklärungen und Interpretationen von mir (sogenannte "Deutungen"), manchmal auch Phasen des Schweigens.

 

Die analytische Beziehung wirkt zunächst auf viele Analysand/innen befremdlich und unsinnig. Nach einer Weile beobachten aber die meisten, dass sich Denken und Fühlen auf der Couch verändert, freier und sprunghafter wird, also "assoziativer", wie es die Psychoanalyse nennt. Diese Merkmale weisen auch auf eine unterschiedliche Gewichtung der Wirkfaktoren hin. Im Unterschied zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie (und noch stärker zur Verhaltenstherapie) spielt die aktive und zielgerichtete Hilfe zur Problembewältigung hier eine deutlich geringere Rolle.

 

Das heißt nicht, dass die aktive Lebensbewältigung der Patient/innen nicht wichtig ist, sondern im Gegenteil, dass diese Aktivität mehr Eigenverantwortung erfordert und weniger angeleitet wird. Auf der anderen Seite hat die therapeutische Beziehung eine zentraleBedeutung, gerade wegen ihrer Vielschichtigkeit und Widersprü chlichkeit. Diese Form der Beziehung wird als „Übertragung“ bezeichnet, weil in ihr alte und häufig unbewusste Beziehungserfahrungen auf die Analytikerin übertragen werden. in der Übertragung können sie gemeinsam erlebt, verstanden und bearbeitet werden.

Analytische Gruppentherapie

 

Die Analytische Gruppentherapie ist für Menschen geeignet, die in ihren Beziehungen zu ihren Partner/innen, Familienangehörigen, Freund/innen oder Kolleg/innen immer wieder ähnliche Schwierigkeiten beobachten, sich schnell verunsichert, missverstanden oder sogar abgelehnt fühlen.

Für viele Patient/innen erscheint die Gruppentherapie eine weniger wirksame Therapieform zu sein, viele haben auch Angst davor, in der Gruppe auf die gleichen Schwierigkeiten und Ängste zu stoßen wie in ihren Beziehungen, und ziehen den Schutzraum einer Einzeltherapie vor.
Ich möchte speziell diese Patient/innen ermutigen, sich die Vorteile einer Gruppentherapie deutlich zu machen: Anders als in der Einzeltherapie können hier die Beziehungen und ihre Schwierigkeiten direkt sichtbar und bearbeitet werden. Die Gruppe selbst kann eine heilsame Kraft entwickeln, indem sie Konflikte einzelner Gruppenmitglieder aushält und versteht und so Veränderungen möglich macht.

Meine Rolle in einer Analytischen Gruppentherapie ist zurückhaltender als in einer Einzeltherapie. Das hängt damit zusammen, dass ich den Gruppenprozessen und dem gemeinsamen Verstehen der Mitglieder großes Vertrauen entgegen bringe. Es ist häufig nicht nötig, die Gruppe durch therapeutische Deutungen und Ratschläge voran zu bringen. Ich werde allerdings immer dafür sorgen, dass zerstörerische Konflikte begrenzt und die Sicherheit der Gruppe und der einzelnen Mitglieder gewahrt bleibt.

 

Neu: Kurzzeit-Gruppentherapie ab Januar 2020

 

Mit der Gruppenanalytikerin Dr. Sonja Kary werde ich im Januar und Februar 2020 an drei Wochenenden Gruppentherapie-Blocks anbieten.

 

Wir erhalten viele Anfragen von Patient/innen, die sich zwar für eine Gruppentherapie interessieren, aber nicht langfristig festlegen können. Andere haben starke Ängste und Vorbehalte, sich in einer Gruppe zu öffnen, leiden aber gleichzeitig an ihren Hemmungen und Einschränkungen. Für diese Menschen planen wir unser Kurzzeit-Gruppenangebot.

 

Um die Kurzzeitgruppe für sich nutzen zu können, sind eine aktive Beteiligung und die Bereitschaft, zuzuhören, die wichtigsten Voraussetzungen. Dadurch können die vielen Perspektiven der  anderen Teilnehmer verwendet werden, um eigene Fragen und Schwierigkeiten besser zu verstehen. Gemeinsamkeiten, Unterschiede, und manchmal auch Konflikte in der Gruppe sind ein notwendiger Bestandteil dieses tieferen Verstehens. Eine Fortsetzung der Gruppe ist möglich.

 

Wenn Sie weitere Informationen über diese Gruppe wünschen,  melden Sie sich bitte zu einem Erstgespräch bei Frau Dr. Sonja Kary, Steinstr. 21, 10119 Berlin, Tel: 030- 25 76 07 68. Email: sonjakary@yahoo.de oder bei mir.

Psychotherapeutische Sprechstunde

 

Wenn Sie akute oder anhaltende psychische Beschwerden haben, kann eine Sprechstunde eine erste Orientierung über die möglichen ambulanten Behandlungsformen (Richtlinien-Psychotherapien, psychiatrisch-medikamentöse Therapien, Familien- und Paarberatung, Suchtberatung, weitere therapeutische Angebote) geben. 

 

Aufgrund Ihrer Schilderungen werde ich eine diagnostische Einordnung vornehmen und eine Therapieempfehlung aussprechen. Dabei werde ich Sie über die sogenannten Richtlinien-Psychotherapien aufklären (Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychotherapie, Einzel- und Gruppentherapien).

 

Bei Bedarf können ein bis drei Sprechstunden a 50 Minuten durchgeführt werden. Ich muss darauf hinweisen, dass ich Sprechstunden auch anbiete, wenn ich selbst keine freien Kapazitäten für eine Einzel- oder Gruppentherapie habe. In diesem Fall werde ich mich bemühen, Ihnen Kolleg/innen mit freien Psychotherapieplätzen zu vermitteln. Sollte dies nicht möglich sein, werde ich Ihnen das sogena nnte Formblatt PTV11 ausstellen, mit dem Sie sich bei der Terminservicestelle (TSS) Ihrer Krankenkasse melden können. Die TSS ist dann verpflichtet, Ihnen freie Psychotherapieplätze zu vermitteln.

 

Akutbehandlung

 

Direkt im Anschluss an die Psychotherapeutische Sprechstunde kann in besonders dringenden Fällen eine Akutbehandlung angeschlossen werden, die maximal 12 Sitzungen umfasst. Sie dient nur der kurzfristigen Stabilisierung und ist deshalb in den meisten Fällen ohne eine gesichterte Weiterbehandlung nicht sinnvoll.

"Aufgeklärte Einwilligung" (informed consent)

 

Wie die meisten anderen therapeutischen und medizinischen Behandlungen haben auch Psychotherapie und Psychoanalyse gelegentlich "unerwünschte Nebenwirkungen", auf die ich Sie hinweisen möchte. So kann es vorübergehend zu einer Verschlimmerung der Symptome oder dem Auftreten neuer Symptome kommen, als ein Zeichen für eine verstärkte und veränderte Auseinandersetzung mit der eigenen Lebenssituation. Die Symptome sollten sich aber nach einigen Monaten deutlich verbessern und ihre einschränkende Bedeutung verlieren. Sollte dies nicht der Fall sein, werden wir gemeinsam sorgfältig die Ursachen prüfen. Gegebenfalls werde ich Sie bei der Suche nach alternativen Behandlungen unterstützen.

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© Ruth Kramarz 2016. Anschrift: Marienstr. 5; 10117 Berlin; Tel: 030 - 98 35 03 69